PFLEGE UND REICHTUM
„Papa, mach dir keine Sorgen“, sagte mein kleiner Sohn vor ein paar Wochen zu mir. Wir standen in der Kinderklinik Oldenburg kurz bevor er in den OP geschoben wurde.
Er sah mich mit seinen großen braunen Augen an, die er von seiner Mama hat.
Er wollte stark sein. Für sich. Und für mich.
Das Leben hat mich mit vier Jungs gesegnet - der Älteste ist 13, der Jüngste 8.
Bei uns ist immer etwas los. Und weil sie mit voller Kraft die Welt entdecken, passiert auch mal etwas, das uns in eine Klinik führt.
Während meine Frau und ich im Warteraum saßen, hielt ich das neueste Macbook auf dem Schoß.
Auf spiegel. de las ich, dass die Aktienkurse steigen.
Aus dem Fenster sah ich sehr viele sehr teure Autos auf dem Parkplatz.
Und wieder war dieser Gedanke da, der mich seit Jahren nicht loslässt: Das Wertvollste in unserem Leben sind nicht Dinge, sondern Menschen. Warum handeln wir nicht so?
Wenn unser Auto kaputt ist, zahlen wir 150 € pro Stunde an den Kfz-Mechatroniker.
Wenn unser Laptop kaputt ist, zahlen wir 120 € pro Stunde an den IT-Systemelektroniker.
Wenn unser Kind krank ist, vertrauen wir es Menschen im unterfinanzierten Gesundheitswesen an und hoffen, dass alles gut geht.
Was ist uns eine Stunde Pflegefachlichkeit wert?
Wer einmal in die Augen seines Kindes schaut, kurz bevor die Narkose wirkt, weiß: Es gibt keinen wertvolleren Beruf als den, der Gesundheit und Leben erhält.
Der kleine Mann ist heute wieder fit und ich bin dankbar für jede Pfegefachperson und die Gesundheitsversorgung, die wir (noch) in Deutschland haben.
Der reichste Staat der Welt ist nicht der mit den höchsten Aktienkursen,
sondern der mit der besten Gesundheitsversorgung für alle.