Der Weg zu einer starken Pflege

„Ich lasse mich nicht auf dieses Niveau reduzieren!“ So lautete mein Tagebucheintrag am 15. März 2012, dem Tag meiner ersten Pflegesatzverhandlung. „Die Pflege ist nicht weniger Wert, nur weil ihn jemand nicht sieht!“ schrieb ich weiter.

Ich war wenige Monate zuvor aus der Automobilindustrie in die Pflege gewechselt, hatte gerade unser Familienunternehmen Zerhusen und Blömer übernommen, als meine erste Verhandlung anstand.

„Ok, ich werde mich jetzt mit den Kostenträgern auf Augenhöhe unterhalten können über die Dinge, die wir brauchen und wie sich gemeinsam unsere Herausforderungen lösen lassen“, hatte ich vorher noch gedacht.

Nichts hätte von der Realität weiter entfernt sein können. Ich wurde als Bittsteller von oben herab belehrt, als Kostenfaktor kleingerechnet und emotional manipuliert: „Sie belasten mit ihren Vorstellungen die Solidargemeinschaft.“ „Ich habe mir das verrückte System der deutschen Pflegeversicherung nicht ausgedacht“, konnte ich noch entgegen. Vergebens.

Dieser Tag war ein Wendepunkt in meinem Leben. Eine Frage hat mich seither nicht mehr losgelassen: „Wie kann es sein, dass der Wert der Pflege nicht erkannt wird? Dass er weder bewusst ist noch gesehen wird?“ Ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, das zu ändern.

Ich bin davon überzeugt es braucht folgende Schritte zu einer starken Pflege:

1. Neu-Bewertung: Der Wert der Pflege darf nicht ausschließlich über Finanzkennzahlen berechnet werden, sondern über den Social Return on Investment (SROI) oder die Gemeinwohlökonomie-Matrix (nach Felber).

2. Bewusstsein: Wir werden so gesehen, wie wir selber auftreten. Wir müssen uns unseres eigenen Wertes und unserer eigenen Kraft bewusst sein und auch entsprechend handeln.

3. Sichtbarkeit: Wir müssen durch gutes Marketing das Scheinwerferlicht auf die Leichttürme und Vorbilder unserer Branche lenken. Das, worauf wir unseren Fokus lenken, wächst.

Mein Tagebucheintrag von damals schließt mit den Worten Maya Angelous: „Du kannst nicht entscheiden, was dir passiert. Aber du kannst dich entscheiden, dich nicht darauf reduzieren zu lassen.“

Die Pflege eines Menschen ist mehr Wert als jedes Auto. Höchste Zeit, dass wir der Welt das zeigen!

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Pflege: Ein neuer Blick auf Wert