Als Quereinsteiger in die Pflege

Meine Freunde in der Uni gingen nach dem Studium zu internationalen Banken nach Frankfurt oder London. Nach 10 Jahren in der internationalen Business-Welt ging ich in die Pflege; zurück nach Kroge-Ehrendorf, zurück ins Familienunternehmen. Warum?

Damals, ich lebte gerade wieder in England, als das Beratungshaus „Roland Berger“ anrief und mich zum Bewerbungsgespräch nach München einlud. „Die Flugtickets schicken wir Ihnen zu.“ Einige Tage später stand ich vor den „Highlight Towers“ in München und fuhr mit dem Glasaufzug hoch in den 31. Stock. Stundenlang ging es durch alle möglichen Tests und Interviews. „Was möchten Sie in Ihrem Leben erreichen Herr Zerhusen?“ Es war diese Frage inmitten dieser unwirklichen, kalten Umgebung voller Glas und Sachlichkeit, die mir die Augen öffnete. Ich spürte plötzlich, dass ich nicht an diesen Ort gehörte.

Ich möchte mein Leben nicht einsetzen, um Weltkonzernen Gewinne zu maximieren. Ich möchte echte Menschen um mich haben. Ich möchte, dass es jemandem besser geht, weil es mich gibt. Ich möchte, dass eines Tages jemand sagen wird: „Es war gut, dass es ihn gab.“

Im Grunde war es damals schon eine Form von Heimweh. Heimweh nach echten Menschen, Heimweh nach Werten, Heimweh nach Gemeinschaft.

Meine Freunde in den internationalen Banken plagen jetzt mit Ende 30 die großen Sinnfragen des Lebens. Für mich kann es keinen schöneren Sinn geben als mich für die Menschen in der Pflege einzusetzen, für Menschen mit Demenz, für die Pflegebranche als Ganzes.

Ich bin vor 11 Jahren als Quereinsteiger aus der internationalen Business-Welt in die Pflege gegangen. Die Arbeit in der Pflege ist schön. Von einfach hat keiner etwas gesagt.

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