Die Pflege ist nicht dafür verantwortlich, dass es Geld kostet

Vor kurzem hatten wir wieder eine Pflegesatzverhandlung. In der Pflege dürfen wir unsere Preise und Stellenschlüssel nicht selber festlegen, sondern bekommen sie von den Pflegekassen vorgegeben.

Und auch in dieser Verhandlung kam dann wieder die Frage, die ich in all den Jahren schon so oft gestellt bekommen habe, dass ich aufgehört habe zu zählen: „Herr Zerhusen, sie belasten damit Ihre Kunden und Bewohner finanziell sehr stark. Wie sollen sie denn für die von Ihnen geforderten Kostenerhöhungen bezahlen?“

Ich habe mir angewöhnt, auf diese emotional manipulative Frage mit drei Gegenfragen zu antworten:

„Haben Sie diese Frage auch schon einmal den Behörden gestellt, die uns monatlich mit neuen Auflagen überhäufen, die allesamt zu eben diesen höheren Kosten führen?“

„Haben Sie diese Frage auch schon einmal einem Radiologen gestellt? Auch der wird von den Mitteln der Solidargemeinschaft bezahlt. Oder funktioniert diese emotionale Erpressbarkeit mit der Pflege besser?“

„Haben Sie diese Frage auch schon einmal sich selber gestellt, da z.B. die AOK mit den von Ihnen angesprochenen Mitteln der Solidargemeinschaft der Hauptsponsor der Deutschen Handball-Nationalmannschaft ist und für sich selbst ein Marketingbudget von etwa 15 Millionen Euro pro Jahr ausgibt?“

Wir in der Pflege haben uns das verrückte System der deutschen Pflegegesetzgebung nicht ausgedacht. Also machen Sie uns bitte nicht für die Symptome dieses Systems verantwortlich!

Wir in der Pflege sind nicht dafür verantwortlich, wie die Pflege finanziert werden kann. Wir sind nicht dafür verantwortlich, dass alles möglichst billig bleibt, auf dem Rücken der Beschäftigten und Kunden.

Wir in der Pflege sind einzig und allen dafür verantwortlich, dass eine professionelle, emphatische, hochwertige, Dienstleistung stattfindet, die dem Menschen zugewandt, würdig und wertschätzend ist.

Und weil wir trotz vieler Hürden verdammt gut darin sind, sind wir es wert! Und weil wir es wert sind, kostet es Geld!

Zurück
Zurück

Neue Wege in der Pflege

Weiter
Weiter

Image ist der erste Dominostein